Abschlussprüfung für Mediengestalter*innen

Im Ausbildungsberuf Mediengestalter*in Digital und Print gibt es zwar kein spezielles Prüfungsfach Mathematik oder Fachrechnen. Mathe kommt trotzdem in der Abschlussprüfung dran, denn die schriftlichen Prüfungsbereiche Konzeption und Gestaltung sowie Medienproduktion enthalten einige Aufgabenstellungen, die rechnerisch zu lösen sind. Es gibt allerdings keine feste Vorgabe oder Regelung, wie viele Matheaufgaben es jeweils sein müssen. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre dürfte der Anteil der Aufgaben mit rechnerischen Inhalten in den Prüfungsbereichen Konzeption und Gestaltung sowie Medienproduktion bei etwa 20 % gelegen haben.

In den Prüfungsbereichen Konzeption und Gestaltung sowie Medienproduktion werden jeweils zwölf Aufgaben gestellt, von denen zehn zu bearbeiten sind. Der Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien (ZFA) veröffentlicht sechs bis acht Wochen vor der Prüfung Stichwörter zu den Themengebieten der Aufgaben.

Weitere Hinweise, Tipps und aktuelle Infos zur Abschlussprüfung für Mediengestalter*innen finden Sie auf der Website zu meinem Buch Prüfungstraining Mediengestaltung.


Übungsaufgaben zur Abschlussprüfung im Dezember 2017

Die Stichwörter zu den Themengebieten der kommenden Abschlussprüfung finden Sie auf der Website des ZFA.

Im Folgenden habe ich einige Übungsaufgaben zu den Themengebieten zusammengestellt, die ich für »matheverdächtig« halte. Natürlich wie immer ohne Gewähr und Garantie, dass ich mit meinen Vermutungen richtig liege. Den Link zu den Lösungen finden Sie ganz unten auf dieser Seite.

Druckkostenvergleich

Konzeption und Gestaltung, alle Fachrichtungen

Hier dürfte irgendeine Art von Vergleichsberechnung zu erwarten sein. Dazu einige Beispiele.

1  Sie wollen 5000 Flyer drucken lassen und vergleichen zwei Angebote.
Eine örtliche Druckerei nennt Ihnen den Komplettpreis von 127,00 EUR zuzüglich 19 % Mehrwertsteuer für den Druck auf Bilderdruckpapier mit der Flächenmasse 135 g/m² einschließlich Datencheck. Die Druckerei erklärt sich bereit, einen Rabatt von 10 % zu gewähren. Versandkosten fallen nicht an, da Sie die Flyer in der Druckerei abholen können.
Die Webpräsenz einer Online-Druckerei nennt einen Basispreis von 116,80 EUR für den Druck auf Bilderdruckpapier mit 90 g/m². Hinzu kommen Zuschläge von 5 % für die Flächenmasse 135 g/m², 15,00 EUR für den Datencheck und 8,95 EUR Versandkostenpauschale. Die Mehrwertsteuer ist in den Preisangaben bereits enthalten.
a)  Berechnen Sie bitte die Endpreise einschließlich Mehrwertsteuer für die beiden Angebote.
b)  Geben Sie bitte an, um wie viel Prozent das günstigere Angebot das andere unterschreitet.

2  Bei der Produktion mit Druckmaschine A betragen die auflagenfixen Kosten 152,00 EUR und die auflagenvariablen Kosten 14,50 EUR pro 1000 Druck. Bei Druckmaschine B betragen die auflagenfixen Kosten 179,00 EUR und die auflagenvariablen Kosten 13,60 EUR pro 1000 Druck.
a)  Berechnen Sie bitte jeweils die Gesamtkosten für eine Auflage von 40 000 Druck.
b)  Geben Sie bitte jeweils die Gesamtkosten pro 1000 Druck bei dieser Auflage an.
c)  Bei welcher Auflage sind die Kosten der beiden Maschinen gleich hoch?

3  Bei der Produktion einer Broschüre im Digitaldruck werden auflagenfixe Kosten von 145,00 EUR und auflagenvariable Kosten von 2,68 EUR pro Exemplar kalkuliert. Bei der Produktion im Offsetdruck betragen die auflagenfixen Kosten 740,00 EUR und die auflagenvariablen Kosten 930,00 EUR pro 1000 Exemplare.
a)  Berechnen Sie bitte jeweils die Gesamtkosten für eine Auflage von 250 Exemplaren.
b)  Um wie viel Prozent überschreiten die Kosten der ungünstigeren Alternative die Kosten der günstigeren?
c)  Berechnen Sie bitte die Grenzauflage, d. h. die Auflage, bei der die Kosten beider Verfahren gleich sind.

50 000 4/0-farbige Plakate im Format A2 sollen entweder zu einem Nutzen auf einer Vierfarben-Druckmaschine mit dem maximalen Bogenformat 50 cm × 70 cm (Maschine A) oder zu zwei Nutzen auf einer Vierfarben-Druckmaschine mit dem maximalen Bogenformat 70 cm × 100 cm (Maschine B) gedruckt werden.
Berechnen Sie bitte die Gesamtkosten für die beiden Alternativen.
Bei den Fortdruck-, Papier- und Druckfarbenkosten ist ein Zuschuss von 2 % zu berücksichtigen.
Kosten für vier Druckplatten (einschließlich Materialkosten):
Maschine A 105,00 EUR, Maschine B 154,00 EUR
Einrichtekosten:
Maschine A 112,00 EUR, Maschine B 186,00 EUR
Druckkosten, auflagenfixer Grundwert:
Maschine A 27,50 EUR, Maschine B 43,50 EUR
Fortdruckkosten pro 1000 Druck:
Maschine A 23,50 EUR, Maschine B 29,50 EUR
Schneiden pro 1000 Bogen:
Maschine A 4,60 EUR, Maschine B 5,80 EUR
Druckfarbenkosten pro 1000 Druck:
Maschine A 8,50 EUR, Maschine B 17,00 EUR
Papierkosten pro 1000 Bogen:
Maschine A 116,00 EUR, Maschnie B 232,00 EUR

Screendesign

Konzeption und Gestaltung, alle Fachrichtungen

Hier sind Berechnungen von Screen-Aufteilungen denkbar. Deshalb sicherheitshalber einige kleine Übungen.

Ein 960 Pixel breites Weblayout soll horizontal im Verhältnis 2 : 10 : 4 in Navigations-, Content- und Servicespalte aufgeteilt werden. Geben Sie bitte die Breiten der drei Spalten sowohl in Pixel als auch in Prozent an.

Welche Breiten ergeben sich bei Aufteilung eines 760 Pixel breiten Screens in zwei Spalten, wenn sie im Verhältnis des goldenen Schnitts zueinander stehen sollen?

Das Grundlayout einer Webseite besteht aus acht gleich breiten Spalten, wobei die Abstände zwischen den Spalten jeweils 16 Pixel und die Ränder links und rechts jeweils 24 Pixel breit sind.
a)  Welche Spaltenbreite ergibt sich, wenn die Seite (einschließlich Ränder) 1200 Pixel breit ist?
b)  Welche Gesamtbreite ergibt sich bei 96 Pixel breiten Spalten?

Ein Gestaltungsraster ist aus 16 gleich breiten Spalten ohne Abstände aufgebaut; die Ränder links und rechts haben Breiten von jeweils 2 %.
a)  Berechnen Sie bitte die Spaltenbreite in Prozent.
b)  Welche Rand- und Spaltenbreiten in Pixeln ergeben sich, wenn die Seite mit einer Gesamtbreite von 800 Pixeln dargestellt wird?

Außenwerbung

Medienproduktion, alle Fachrichtungen

Hinter diesem Stichwort kann sich natürlich vieles verbergen, zum Beispiel Medien für Außenwerbung, spezifische Anforderungen an die Gestaltung, Licht- und Wetterechtheit und vieles mehr. Rechnerisch zu lösende Aufgaben sind im Zusammenhang mit Betrachtungsabstand und Pixelfrequenz vorstellbar. Deshalb sicherheitshalber drei Übungsaufgaben dazu.

Bei großformatigen Plakaten wird als Faustregel angenommen, dass der Betrachtungsabstand nicht kleiner als die Diagonale ist. Berechnen Sie bitte die Betrachtungsabstände nach dieser Faustregel für folgende Formate.
a)  5 m × 8 m
b)  356 cm × 252 cm

10  Bei einem Betrachtungsabstand von einem Meter wird eine Pixelfrequenz (Pixelauflösung) von 120 Pixel per Inch als ausreichend für die verwendeten Bilder angenommen. Welche Pixelfrequenzen ergeben sich daraus für die folgenden Betrachtungsabstände?
a)  6 m
b)  250 cm

11  Ein Plakat hat das Format 4 m × 6 m.
a)  Bitte den Betrachtungsabstand (= Diagonale) berechnen.
b)  Welche Pixelfrequenz reicht für die verwendeten Bilder aus, wenn von 50 Pixel pro Zentimeter bei einem Betrachtungsabstand von einem Meter ausgegangen wird?

Platzkostenrechnung

Konzeption und Gestaltung, Fachrichtung Beratung und Planung

Klare Ansage: Es geht um die Berechnung von Arbeitsplatzkosten. Dazu einige Basics und eine komplette Platzkostenrechnung.

12  Bitte jeweils kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen für ein Jahr berechnen.
a)  Rechner und Peripheriegeräte, Wiederbeschaffungsneuwert 4500 EUR, Nutzungsdauer 3 Jahre, Zinssatz 6,5 %
b)  Druckmaschine, Nutzungsdauer 8 Jahre, Anschaffungswert 600 000 EUR, Wiederbeschaffungsneuwert 115 % des Anschaffungswerts, Zinssatz 6 %
c)  Druckplattenrecorder, Anschaffungswert 240 000 EUR, jährliche Preissteigerung 2 %, Nutzungsdauer 5 Jahre, Zinssatz 5 %

13  Bitte die jährlichen Fertigungsstunden berechnen.
a)  Arbeitsplatzkapazität 1757 Stunden, Beschäftigungsgrad 87 %, Nutzungsgrad 90 %
b)  Arbeitsplatzkapazität 1890 Stunden, B° 89 %, N° 82 %

14  Ergänzen Sie bitte die Berechnung der Arbeitsplatzkosten.

Satzspiegel

Konzeption und Gestaltung, Fachrichtung Gestaltung und Technik, Print

Hier können möglicherweise Berechnungen von Größe oder Positionierung des Satzspiegels eine Rolle spielen.

15  a)  Bitte die Höhe des Satzspiegels (= Oberlänge der ersten Zeile bis Grundlinie der letzten Zeile) in Point nach folgenden Angaben berechnen:
35 Zeilen
Schriftgröße 10 pt
Oberlänge 7 pt
Zeilenabstand 13 pt
b)  Welche Satzspiegelbreite in Point ergibt sich, wenn Breite und Höhe im Verhältnis des goldenen Schnitts stehen?
c)  Geben Sie bitte Breite und Höhe des Satzspiegels in Millimeter an.

16  Bitte jeweils die Satzspiegelhöhe in Point und in Millimeter berechnen:
a)  39 Zeilen, Schriftgröße 9 pt, Oberlänge 6,3 pt, Zeilenabstand 125 %
b)  33 Zeilen, Schriftgröße 10,5 pt, Oberlänge 7,4 pt, Durchschuss 3,5 pt

17  Der 102 mm breite und 168 mm hohe Satzspiegel soll so auf der Buchseite im Format 130 mm × 210 mm platziert werden, dass die Breiten bzw. Höhen der Ränder jeweils im Verhältnis 3 : 4 zueinander stehen. Bitte Breiten bzw. Höhen aller vier Ränder berechnen.

18  Eine Zeitungsseite hat das Format 315 mm × 470 mm. Welche Spaltenbreite ergibt sich bei sechsspaltigem Umbruch, wenn die seitlichen Ränder jeweils 20 mm und die Spaltenabstände jeweils 4 mm breit sind?

Rasterung

Konzeption und Gestaltung, Fachrichtung Gestaltung und Technik, Print

Hier dürfte es um Rasterarten (periodisch, nichtperiodisch, hybrid) und ihre Eigenschaften, Vor- und Nachteile, Rasterungstechnik und ähnliches gehen. Als rechnerische Aufgabenstellung ist die Ermittlung der möglichen Tonwertstufen in Abhängigkeit von Aufzeichnungsfeinheit und Rasterfrequenz denkbar. Aufgaben dazu finden Sie in den Übungsaufgaben zur Prüfung im Mai 2017 (Aufgaben 1 und 2).

Ton im Film

Konzeption und Gestaltung, Fachrichtung Gestaltung und Technik, Digital

Dieses Stichwort klingt zwar auf den ersten Blick nicht besonders »matheverdächtig«. Andererseits waren aber in der Vergangenheit gelegentlich Berechnungen verlangt, wenn es um Video oder Audio ging. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, sollten Sie sich noch einmal die Berechnung von Datenraten und Datenmengen ansehen. In den Übungsaufgaben zur Prüfung im Mai 2017 finden Sie eine Reihe von Aufgaben zur Audio- und Videodatenberechnung (Aufgaben 8–10 und 22–26).

Und hier noch zwei Aufgaben zu vertonten Videos.

19  Ein vertontes Video hat die Framegröße 512 × 288 Pixel, 25 Frames pro Sekunde, Datentiefe 24 Bit. Der Ton wurde mit der Sampling-Frequenz 44100 Hz, Stereo, 16 Bit pro Kanal, aufgezeichnet.
a)  Berechnen Sie bitte die Datenrate für das unkomprimierte Video einschließlich Ton in Kilobit pro Sekunde.
b)  Welche Datenrate (kbit/s) ergibt sich, wenn die Aufzeichnung mit den Raten 120 : 1 (Video) bzw. 14,7 : 1 (Audio) komprimiert wird?

20  Bitte jeweils die Datenmenge für ein 5 Minuten langes vertontes Video in Megabyte (= 1000² Byte) berechnen.
a)  Framegröße 720 × 540 Pixel, 25 fps, Kompressionsrate 160 : 1, Datentiefe 24 Bit, Audio-Datenrate 160 kbit/s
b)  Video: 853 × 480 Pixel, 30 fps, 24 Bit, Kompressionsfaktor 1 : 150
Audio: 48 kHz, Stereo, 16 Bit pro Kanal, Kompressionsfaktor 1 : 8

Farbmessung

Medienproduktion, Fachrichtung Gestaltung und Technik, Print

Ich vermute, das es hier in erster Linie um Messtechnik, -verfahren und -bedingungen gehen wird. Sicherheitshalber sollten Sie aber auch auf die die Berechnung des CIELAB-Farbabstands vorbereitet sein. Eine Aufgabe dazu finden Sie in den Übungsaufgaben zur Prüfung am Mai 2017 (Aufgabe 21).

Nachtrag: Zeilensprungverfahren

Medienproduktion, Fachrichtung Gestaltung und Technik, Digital

Hier geht es vermutlich um des Zeilensprungverfahren in der Fernseh- und Videotechnik (Zwischenzeilenverfahren, Halbbildverfahren, interlaced video). Auch auf die Gefahr hin, dass ich Gespenster sehe: Vorstellbar ist hier zumindest eine Teilaufgabe, in der es um die Berechnung von Datenrate oder Datenmenge geht. Einzige Besonderheit gegenüber anderen Videodatenberechnungen: Wenn die Bildwiederholfrequenz in Halbbildern pro Sekunde (fields per second) angegeben ist, wird sie durch 2 geteilt, um die Bildwiederholfrequenz in Vollbildern pro Sekunde (frames per second) zu erhalten. In den Übungsaufgaben zur Prüfung im Mai 2017 finden Sie zwei Aufgaben mit Halbbildern (Aufgaben 22 c) und 23 c)).


Falls ich mich irgendwo verrechnet oder vertippt haben sollte oder irgendetwas fehlt, senden Sie mir bitte eine Nachricht. Meine Mail-Adresse finden Sie im Impressum.