Kilobyte – 1000 oder 1024 Byte?

Dezimal- und Binärpräfixe

Im Système international d’unité (SI) bezeichnen die Präfixe (Vorsätze) Kilo, Mega, Giga usw. dezimale Vielfache von Maßeinheiten. Das Präfix Kilo (k) steht für das Tausendfache (103-fache), das Präfix Mega (M) für das Millionenfache (106-fache), das Präfix Giga (G) für das Milliardenfache (109-fache) der jeweiligen Einheit.

In der Computertechnik wird traditionell mit binären Vielfachen gerechnet. Ein Kilobyte (KB) entspricht demnach 1024 (210) Byte, ein Megabyte (MB) 1 048 576 (220) Byte, ein Gigabyte 1 073 741 824 (230) Byte. Offensichtliches Problem ist die Verwendung der SI-Präfixe Kilo, Mega und Giga: Nach den international anerkannten Regeln des SI entspricht ein Kilobyte genau 1000 Byte; in der Praxis wird aber oft mit dem „traditionellen“ Kilobyte (1024 Byte) gerechnet, obwohl das den SI-Regeln widerspricht.

Zurzeit herrscht ein einigermaßen ärgerliches Durcheinander von SI-konformen und „traditionellen“ Kilo-, Mega- und Gigabytes. Dateigröße, Arbeitsspeicherkapazität, Größe von Zuordnungseinheiten auf Festplatten sowie Speicherkapazität von CDs werden durchweg „traditionell“ angegeben, die Speicherkapazitäten von Festplatten, DVDs und Blu-ray disks dagegen SI-konform. Ein Megabyte Dateigröße entspricht also üblicherweise 1 048 576 (220) Byte, ein Megabyte Speicherplatz auf der DVD dagegen 1 000 000 (106) Byte. Das führte in den USA zu einem kuriosen Rechtsstreit, bei dem Verbraucher gegen einen Festplattenhersteller klagten, der die Kapazitäten seiner Produkte SI-konform ausgewiesen hatte.

Diese Unsicherheit lässt sich vermeiden, indem die Präfixe Kilo, Mega und Giga ausschließlich SI-konform für dezimale Vielfache verwendet und für binäre Vielfache andere Vorsätze benutzt werden. Präfixe für binäre Vielfache finden sich in der bereits im Jahr 2000 von der International Electrotechnical Commission veröffentlichten Norm IEC 60027-2 (Letter symbols to be used in electrical technology – Part 2: Telecommunications and electronics).

Die Präfixe für die binären Vielfachen 210, 220 und 230 heißen Kibi (Ki), Mebi (Mi) und Gibi (Gi), abgeleitet von den Begriffen Kilobinary, Megabinary und Gigabinary. Nach IEC 60027-2 gilt also:

kB = 103 Byte = 1000 Byte
KiB = 210 Byte = 1024 Byte
MB = 106 Byte = 1 000 000 Byte
MiB = 220 Byte = 1 048 576 Byte
GB = 109 Byte = 1 000 000 000 Byte
GiB = 230 Byte = 1 073 741 824 Byte

Leider wird die inzwischen nicht mehr ganz neue IEC-Norm in der Praxis noch weitgehend ignoriert. Die Unsicherheit, ob bei der Verwendung der Vorsätze Kilo, Mega und Giga dezimale oder binäre Vielfache gemeint sind, ist eher größer als geringer geworden.

Solange in der Praxis das Nebeneinander von SI-konformer und „traditionellen“ Verwendung der Vorsätze Kilo, Mega und Giga nicht überwunden ist, sollten in Klausuren und Prüfungen beide Interpretationen als richtig bewertet werden. Wenn also in einer Prüfungsaufgabe zum Beispiel die Berechnung der Dateigröße in Megabyte verlangt wird, gibt es zurzeit noch zwei korrekte Lösungen. Aber Achtung: Sobald in der Aufgabenstellung die Binärpräfixe Kibi, Mebi oder Gibi auftauchen, gibt es auch für Kilo, Mega und Giga keinen Interpretationsspielraum mehr. Dasselbe gilt natürlich, wenn im Text der Aufgabe ausdrücklich auf die eine oder andere Interpretation hingewiesen wird.

Bei der Angabe von Bandbreiten (Datenraten) in Kilo-, Mega- oder Gigabit pro Sekunde gibt es keine entsprechende Mehrdeutigkeit. Die Präfixe werden in jedem Fall dezimal interpretiert, kbit/s, Mbit/s und Gbit/s entsprachen und entsprechen tausend, einer Million bzw. einer Milliarde Bit pro Sekunde. Angaben dieser Art haben ihren Ursprung in der Nachrichtentechnik – computertechnische Traditionen gelten hier nicht.

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